Dekubitus

Mehr als 500.000 Menschen in Deutschland leiden unter einem Druckgeschwür, in der Fachwelt Dekubitus genannt. Ein Dekubitus ist ein Druckgeschwür, das bei anhaltender Druckeinwirkung entsteht. Der Volksmund spricht vom „sich wund liegen„.

Durch Druck auf die kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) sind der Gasaustausch und die Nährstoffversorgung im betreffenden Gewebe nicht mehr gewährleistet. Pflegebedürftige, bettlägrige und chronisch kranke ältere Menschen sind besonders gefährdet, eine solche schmerzhafte und gefährliche Läsion zu entwickeln. Dekubitus gilt grundsätzlich als vermeidbar und somit als Indikator von Pflegequalität.
Dekubituserkrankungen führen nicht nur zu erheblichen physischen und psychischen Beeinträchtigungen in der Lebensqualität der Betroffenen sondern haben oftmals einen tödlichen Ausgang.

Druckgeschwüre und damit die Schmerzen können fast immer durch sachgerechte Pflege verhindert werden. Das aber setzt einen hohen Aufwand voraus: Alle zwei Stunden müssen Bettlägerige umgebettet werden, Tag und Nacht, es helfen zur Vorbeugung sogenannte Dekubitusmatrazen.

Dekubitus ist in der Regel ein Pflegefehler. Der auftritt, wenn im Wissen um die Entstehung Mangel besteht oder wenn auch zu wenig Pflegekräfte vorhanden sind.

Strafrechtliche Verantwortlichkeit für Pflegefehler

Heimleiter, Pflegedienstleiter sowie das Pflegepersonal können bei Pflegefehlern strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Das Unterlassen erforderlicher Pflegemaßnahmen, trotz Kenntnis eines Dekubitus, stellt eine fahrlässige Körperverletzung dar, so bereits Landgericht Karlsruhe im Urteil vom 08.12.2003, Az: 18 AK 80/03.

Sofern der Standard nach dem Wohn- und Teilhabegesetz (WTG) früher Heimgesetz dauerhaft nicht gewährleistet wird, kann der Heimbetrieb schließlich vollständig untersagt werden, siehe § 15 Abs. 2 WTG NRW, früher (§ 19 I Heimgesetz). Denkbar ist dies etwa bei der Nichterfüllung der Anforderungen der Pflegedokumentation, der Hygiene, der ärztlichen Betreuung.

Zivilrechtliche Verantwortlichkeit für Pflegefehler

Ein Privatpatient verklagte die behandelnden Ärzte auf Zahlung von Schmerzensgeld. Er warf ihnen vor, ihn unzureichend umgelagert zu haben, ihm keine Antidekubitus-Matratze sowie ein Antidekubitus-Kissen für den Rollstuhl überlassen zu haben, ferner ihn mit Blick auf seine Inkontinenz unzureichend gepflegt und gereinigt zu haben. Im Übrigen erhob er den Vorwurf, die Ärzte seien ihrer Verpflichtung zur Anordnung und Überwachung der Dekubitus-Prophylaxe nicht ausreichend nachgekommen. So habe es keine ausreichenden Anweisungen zur fachgerechten Lagerung und Mobilisierung gegeben.

Die Entscheidung über das, was bei einem Dekubitus-Risikopatienten zu tun ist, darf nicht allein dem Pflegepersonal überlassen werden. Notwendig sind vielmehr ärztliche Anordnungen und Anweisungen zu den zur Vermeidung von Druckgeschwüren durchzuführenden Pflegemaßnahmen und deren Überwachung. Dies ist auch zu dokumentieren. Das Auftreten von schwerwiegenden Dekubiti ist durch häufigere Umlagerungen, durch Eincremen und durch den Einsatz von Spezialbetten und –kissen zudem bei Hochrisikopatienten immer vermeidbar.

Das Landgericht folgte dem Antrag. Das Urteil: 20.000 € Schmerzensgeld – Krankenhausärzte haften für Dekubitus (LG Bonn, Urteil vom 23.12.2011, Az.: 9 O 364/08)

Dies gilt auch in Pflegeeinrichtungen. Wer zeigt schon die Einrichtung an. Es ist aber durchaus üblich, dass sich die Pflegekasse und das Krankenhaus um die entstandenen Kosten streiten. Dies erfährt weder der Versicherte noch deren Angehörige, noch weniger die Öffentlichkeit.

Soll sich etwas ändern, müssen entsprechende Klagen gegen die Einrichtung angestrengt werden. Diese ist in der Pflicht die entsprechende Vorsorge zu treffen. Durch die Aufnahme in die Einrichtung ist sie einer Vorsorge- und Obhutspflicht eingegangen. Sie muss im Zweifel beweisen, dass die entsprechende Vorsorge getroffen worden ist.

Die Einrichtung wird vertreten durch den Geschäftsführer, sehr selten von der Pflegedienstleitung. Die Pflegedienstleitung ist verantwortlich für den Einsatz der Pflegekräfte und die notwendigen Sachmittel. Die einzelne examinierte Pflegekraft ist ausführende Person und wird größtenteils durch die Überforderung bereits entschuldigt sein.   Im Krankenhaus gilt, wie auch in der Pflege, mehrere Personen sind verantwortlich und haften für die notwendige Pflege.

So funktioniert die gesamtschuldnerische Haftung

Die Gesamtschuld i. S. d. § 421 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ist eine Begrifflichkeit aus dem Schuldrecht. Sie bezeichnet einen Fall der sogenannten Mehrheit von Schuldnern. Eine Gesamtschuld liegt vor, wenn ein Gläubiger (im Fall: der Kläger) eine Leistung (im Fall: das Schmerzensgeld) nur einmal verlangen kann, zu der vollen Leistung jedoch mehrere Personen als Schuldner (im Fall: Chefarzt, Oberarzt, Stationsarzt) verpflichtet sind. Jeder Schuldner unterliegt der Solidarhaftung und hat für die gesamte Schuld aufzukommen und nicht etwa nur für einen Teil davon. In dieser Situation kann sich der Gläubiger aussuchen, welchen Schuldner er in Anspruch nimmt. Die Befriedigung des Gläubigers durch einen der Gesamtschuldner wirkt entlastend auch für die anderen.

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